von Der Pate » 04.10.2026, 18:14
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Am Samstagabend hatte Johannes Golla einen schweren Gang anzutreten. Das erste Spiel stand an, seit die Wechselabsichten des Kreisläufers publik geworden waren. Und das auch noch vor eigenem Publikum, in der Kasseler Rothenbach-Halle, wo die MT Melsungen ihre Heimspiele austrägt. Die Pfiffe aus dem Publikum waren beim 28:22-Sieg gegen die TSV Hannover-Burgdorf nicht zu überhören.
Es ist ein aufsehenerregender Fall rund um den Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft, und ein alles andere als alltäglicher. Denn Golla, 28, legte offen, dass es manchmal nicht nur um den Profisport geht. Sondern auch um die Familie, die häufig dort leben möchte, wo der Profi seinen Beruf ausübt – oder eben nicht.
Erst im Sommer war der Kreisläufer und Abwehrspezialist Golla nach erfolgreichen Jahren in Flensburg nach Melsungen gewechselt. Er hat sich im Norden immer wohlgefühlt, doch es war ein Transfer mit Hintergedanken: Golla stammt aus der Region. Melsungen liegt im Norden Hessens, Gollas Familie stammt aus Südhessen. Eine Heimkehr, gewissermaßen, in den besten Karrierejahren. Golla unterschrieb einen Vertrag über fünf Jahre, der sowohl dem Spieler als auch dem Verein eine langfristige Perspektive ermöglichen sollte.
Doch es kam völlig anders. Sportlich lief für Golla zwar alles nach Plan. Die MT Melsungen ist passabel gestartet in die Bundesligaspielzeit, gewann am Samstagabend auch das Spitzenspiel gegen Hannover, liegt aktuell auf Tabellenplatz fünf. Der Klub tritt außerdem erstmals überhaupt in der Champions League an. Doch Gollas Ehefrau und die beiden Kinder, die in Flensburg geboren sind, taten sich beim Neustart in der kaum bekannten Stadt schwer. Sie vermissten Flensburg, die Förde, ihr Umfeld, die sozialen Kontakte. So sehr, dass sich Johannes Golla nach nur drei Monaten zur Kehrtwende entschied.
Offenbar bereits vor mehreren Wochen bat er die Verantwortlichen der MT Melsungen, aus seinem ursprünglich bis 2031 laufenden Langfristvertrag aussteigen zu dürfen. Und fragte bei seinem alten Verein in Flensburg an, ob sie erneut Verwendung für ihn hätten.
Beide Klubs haben den Wechselwunsch mittlerweile bestätigt. Melsungen erklärte, man habe auch Verständnis für Gollas familiäre Situation, aber ganz so einfach stelle sich die Situation nicht dar. Für Melsungen hängt viel an dieser Personalie, Golla sollte das neue Gesicht der Mannschaft werden. Ihn jetzt einfach ziehen zu lassen, dürfte bei Fans und Sponsoren weniger gut ankommen – vom sportlichen Verlust ganz abgesehen.
Golla war 2018 aus Melsungen nach Flensburg gewechselt, zu dieser Saison folgte die Rückkehr – jetzt will er wieder weg
Vor dem Spiel gegen Hannover sagte Melsungens Sportvorstand Jesper Larsson beim Sportsender Dyn, man müsse sich „zusammensetzen und gucken, welche eventuellen Lösungen es gäbe“. Larsson stellte klar, dass es grundsätzlich immer Möglichkeiten gebe, aus Arbeitsverträgen herauszukommen. Allerdings: „Fakt ist, dass Johannes einen Vertrag bis 2031 bei der MT hat. Was da am Ende herauskommt, müssen wir sehen.“
Golla war 2018 von Melsungen nach Flensburg gewechselt, wo er zu einem Kreisläufer von Weltklasse-Format reifte. Und mit der SG große Erfolge feierte: 2019 den deutschen Meistertitel, 2024 und 2025 folgte der Sieg in der European League. Im Nationalteam gewann er 2024 Olympia-Silber und in diesem Jahr Silber bei der EM in Dänemark.
Einen Tag vor Bekanntwerden der neuerlichen Wechselabsicht hatte Gollas langjährige Berateragentur in einer knappen Mitteilung die Trennung vom Nationalspieler bekanntgegeben. Die Vermutung, dass ein Zusammenhang besteht, wurde jedoch von keiner Seite bestätigt.
Es dürfte also ums liebe Geld gehen. Wie verschiedene Medien berichten, hat Golla eine Ausstiegsklausel im Vertrag, die 500 000 Euro betragen soll. Allerdings soll sie erst im Sommer 2028 greifen. Ein Wechsel im Sommer 2027 wäre demnach erheblich teurer: Die Bild-Zeitung berichtet, Melsungen habe dafür rund 1,5 Millionen Euro aufgerufen. Die schlechte Nachricht für Johannes Golla: Wenn diese Summe annähernd stimmt, ist das für Handballverhältnisse enorm viel Geld